Blog Schweden Tägliche Erkenntnis

Die Messlatte von Glück

Frühling und Sommer in Schweden fühlen sich sehr, sehr besonders an.

Heute ist der 4. März und morgens ist es endlich wieder hell wenn die Kinder sich auf den Weg zur Schule machen. Das Tageslicht fühlt sich für mich an als könnte ich nach langer Zeit tief durchatmen. Und dabei liegt der Fokus auf dem Durchatmen, nicht auf der Dunkelheit zuvor.

Den Frühling bemerkst du hier nicht nur am Tageslicht sondern auch an den Gänsen, die seit einigen Tagen täglich übers Haus fliegen und den Kranichen, die ungefähr zeitgleich mit ihnen aus Afrika zurück gekehrt sind und nun paarweise, auf freiliegenden Äckern und Wiesen, zu beobachten sind.

Von nun an findet so viel wie möglich im Freien statt. Es ist noch etwas Zeit bis dahin aber am 30. April wird der Winter mit einem großen Feuer endgültig ausgetrieben. In zwei von vier Fällen saßen wir mit Schal und Winterjacke auf der Wiese um Würstchen zu grillen und dem „Valborgfirande“ beizuwohnen.

Haha, noch zwei Monate bis dahin. Auch ich scharre ungeduldig mit den Füßen mit der Aussicht auf mehr. Mehr Licht, mehr Wärme, mehr Leben.

In Schweden wird die helle und sonnige Jahreszeit wirklich zelebriert. Und da komme ich zu meinem heutigen Gedanken: Wäre es auch so wenn der Winter nicht so kalt und dunkel wäre?

Brauchen wir Gegensätze um Glück zu fühlen?

Eine warme Tasse Kakao nach einer eisigen Schlittenfahrt? Die Ruhe zu Hause mit einem guten Buch nach einem turbulenten Tag? Das Treffen mit Freunden und Familie nach einer Zeit der Einsamkeit?

Wem schmeckt schon ein Glühwein im Sommer?

Auf die ganz großen Dramen im Leben könnten wir wohl alle verzichten. Aber diese kleinen Unterschiede, sind sie es die uns glücklich machen? Fühlt man Glück und Dankbarkeit nur wenn man auch die Abwesenheit kennt?

Valborgfirande 2023:

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