Vor einiger Zeit habe ich die Geschichte einer Frau gehört, die Gott nach dem Tag gefragt hat, an dem sie sterben wird.
Die Dame war an die 80 Jahre alt, daher wusste sie wohl schon im Vorhinein, dass die Antwort sie nicht besonders schockieren wird. Und tatsächlich, sie bekam einen genauen Tag, sieben Jahre später genannt.
Am besagten Datum lud sie alle ihre Freunde und Verwandten ein. Sie feierten ein großartiges Fest, an dessen Ende die Gastgeberin verkündete, dass sie heute sterben würde. Die Eingeladenen waren erstaunt und manche sagten, dass wär Unsinn sie würde sich doch bester Gesundheit erfreuen.
An diesem Abend legte sich die Frau ins Bett und starb.
Was macht diese Geschichte mit dir?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit der Antwort umgehen könnte.
Gehen wir davon aus, Gott sagt mir ich würde mit 93 Jahren an dem und dem Tag sterben. Das fühlt sich für mich nach Befreiung an. Bis zu diesem Zeitpunkt wäre ich frei von jeglicher Todesangst. Das Flugzeug macht komische Geräusche? Nee, noch nicht meine Zeit. Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt? Sorry, nicht nötig. Ein schlimmer Husten, furchtbare Kopfschmerzen? Alles kein Grund zur Besorgnis. Das wird wieder.
Ist doch cool, oder?
Aber was, wenn ich ein Datum hören würde, dass sehr viel näher liegt als ich es mir wünsche? Was würde das auslösen?
Das Beste raus holen bis zum Schluss? Mehr lieben? Mehr erleben? Mehr Jetzt? Weniger (Alltags) Sorgen? Weniger Erziehung und mehr Beziehung? Mehr ich und weniger Angst davor, was die anderen denken?
Oder Lähmung? Weil, hat ja alles eh keinen Sinn mehr?
Und während ich darüber nachdenke, macht es was mit mir.
Ich bin mir total sicher, dass Krankheit niemals Gottes Wille ist. Für keinen Menschen. Ich möchte meinen Fokus darauf richten das wirklich zu glauben. Vollkommen überzeugt zu sein. Von ganzem Herzen. Denn Glaube kommt aus dem Herzen. (Nicht aus dem Verstand.)
Mit dieser Überzeugung spare ich mir dann auch diesen ganzen Angst-vor-Krankheiten-Zirkus was den Vorteilen der Zusage eines Todes im hohen Alter für mich gleichkommen würde.
Und im Jetzt leben, das ist ja eh was wir alle wollen, oder?
Ohne Sorgen. Ohne Stress. Entspannt. Und auch das, ist Gottes Wille für uns. Er sagt in seinem Wort (der Bibel) wir sollen uns keine Sorgen (um morgen) machen und dass er von ganzem Herzen für uns sorgen möchte. BÄM, oder?
Ich merke, dass ich auf meinem Weg, den ich nun seit fast 20 Jahren gemeinsam mit Gott gehe, näher dahin komme ihm ernsthaft zu vertrauen. Näher komme, diese bedingungslose Liebe für mich wirklich anzunehmen. Und das verändert mich und meine Art zu leben. Zu langsam für meinen Geschmack 😉 Aber doch spürbar in die richtige Richtung. Immer näher an das Herz des Vaters.
Ein praktisches Beispiel dafür ist, dass ich mich vor einigen Monaten gegen eine Arbeitsstelle entschieden habe und stattdessen dafür, zu Hause bei den Kindern zu sein und gleichzeitig einen Roman zu schreiben. Einen Roman, den ich seit vielen Jahren schreiben will.
Und diese Entscheidung hat mich einiges gekostet. Ich musste unter anderem meine Angst vor der Meinung anderer konfrontieren (Was denken, die Leute wenn ich nicht arbeite?), meine Angst vor finanziellem Bankrott (Was, wenn das Geld nicht reicht?) und meine Selbstzweifel (Ich kann doch gar keinen Roman schreiben.) Aber gleichzeitig wusste ich, dass das der einzige richtige Weg ist. Unter diesen ganzen Zweifeln lag tiefer Frieden.
Da stecke ich jetzt also gerade mittendrin, denn die Zweifel kommen immer wieder. Wofür ich wirklich dankbar bin ist, dass ich etwas habe an dem ich mich orientieren kann. Das hatte ich lange Strecken meines Lebens nicht. Meine ganze Jugend war wie ein Umhertappen im Dunkeln.
Wie bin ich jetzt eigentlich hier gelandet? 🙂 Ach ja. Die Frage nach dem Zeitpunkt des Todes, die sich ja eigentlich eher auf die verbleibende Lebenszeit bezieht.
Ich denke, ich würde es nicht wissen wollen. Denn die Freiheit, die vermeintlich hinter der Antwort liegt, löst gleichzeitig auch Druck aus. Das Beste aus der verbleibenden Zeit machen zu müssen.
Ich möchte mein Leben als Geschenk sehen, nicht als Aufgabe.
Jeden einzelnen Tag darf ich auspacken und mich an ihm freuen. Und wenn es gut läuft, lerne ich die bedingungslose Liebe dabei immer noch ein Stückchen besser kennen.